Microbrands: Wie kleine Marken den Großen zu schaffen machen

Der Kampf ist seit Jahren gleich: KMU gegen Riesen am Markt. Unternehmen, wie der Online-Gigant Amazon, erschweren die Situation und lassen viele kleine und mittlere Unternehmen straucheln. Doch durch Social-Media verbessert sich die Situation vieler KMU und kleine Marken treten in Konkurrenz zu großen Unternehmen.

Obwohl KMU im Schnitt 266-mal kleiner sind als die riesigen Unternehmen, wachsen sie im Vergleich zur Konkurrenz 19-mal so schnell. Die Big Player werden vermutlich bis 2025 einen großen Marktanteil verlieren. Aber was ist das Erfolgsgeheimnis der KMU und wie können mittelständische Traditionsunternehmen ihre Marktführung verbessern, um auch mitzuhalten?

Die Antwort lautet: Microbrands. Die sogenannten Microbrands sind Kleinstmarken, die sich vor allem auf ein ganz bestimmtes Produkt in einem Nischenmarkt spezialisieren.

Dell als Pionier von Microbrands

Der Begriff Microbrand wird heutzutage vor allem im Kontext von Fast Fashion und Uhren verwendet. Doch schon lange vor dem Erfolg moderner Kleinstmarken begründete die Unterhaltungselektronik, insbesondere Dell in den 90er Jahren, das Microbrand-Konzept von heute. So erkannte der Gründer Michael Dell, dass handelsübliche PCs günstiger hergestellt werden konnten, als es die großen Marken der 90er Jahre taten.

Das zu erkennen half Dell dabei, sein Unternehmen aus dem Wohnzimmer heraus zu gründen. Vorerst durch Mundpropaganda und anschließend durch das Internet wurde Dell zum Pionier für das heutige Direct-to-Consumer-Modell. Er ermöglichte Konsumenten die neue Erfahrung, bei Dell.com zu kaufen und Komponenten, wie Festplatte oder Bildschirmgröße, selbst zu wählen.

Dell hatte im Vergleich zu anderen PC-Unternehmen einen klaren Vorteil: das Unternehmen wurde vollständig im Built-to-Order-Modus betrieben. Die kurze Vorlaufzeit für die Montage und Lieferung des Auftrags ermöglichte dem Unternehmen ein enorm schnelles Wachstum

Der Erfolg der Uhrenlabels

Die Nischenmärkte, in denen die Microbrands Fuß fassen, sind divers: Kosmetikartikel, Schmuck, Kerzen oder Suppen – nahezu für jedes Produkt gibt es inzwischen Start-Ups, die versuchen, mit neuen und kreativen Ideen zu überzeugen. Vor allem der Markt von unabhängigen Uhrenmarken boomt. Die kleinen Uhrenmarken werden meistens von einer einzelnen Person oder kleinen Gruppen gegründet, die selbst große Uhrenfans sind.

Zum Erfolg der Uhrenunternehmen haben moderne Finanzierungsmöglichkeiten, wie Kickstarter, beigetragen. Die Plattform bietet die Möglichkeit einer Vorfinanzierung durch interessierte Personen. Gefällt den “Unterstützern” ein Produkt oder Projekt, können diese sich unkompliziert registrieren und erhalten meist einen Vorzugspreis für die ersten lieferbaren Chargen.

Dadurch lassen sich Vertriebskosten sehr stark reduzieren. Das Design der Uhren stammt meist von Ideengebern und Gründern, die Vertriebskosten werden durch den Direktvertrieb über Internetseiten auf reine Versandkosten minimiert. Durch die gesunkenen Kosten sinkt auch der Endverkaufspreis, was wiederum einen Kaufanreiz für Verbraucher darstellt. Auch in der Herstellung werden die Kosten gering gehalten: günstige Produktionsstätten und limitierte Auflagen sparen Geld.

Dadurch sichern sich die kleinen Unternehmen Marktvorteile gegenüber Konkurrenten, wie Swatch oder Rolex. Geringere Preise sorgen für einen breiten Kundenstamm, schickes modernen Design lockt Uhrenliebhaber und limitierte Auflagen sorgen für das gewisse Prestige.

Das Uhrenlabel anOrdain

Ein Uhrenlabel, das positiv heraussticht und als Microbrand besteht, ist das Label anOrdain. Die britische Uhrenmanufaktur besteht aus einem interdisziplinären Team von Designern und Herstellern, die alle an einem Ort gemeinsam arbeiten. Ein einzigartiger ästhetischer Anspruch und die Überzeugung, dass Design- und Herstellungsprozesse miteinander verwoben sein sollten, sind die Leitmotive des Unternehmens.

Das kreative Konzept hinter der Marke stammt von Gründer Lewis Heath. Die Vision des Uhrenliebhabers war es, Macher und Designer zusammenzubringen. Der Industriedesigner war überzeugt, dass sich die Auslagerung der Produktion negativ auf das Endprodukt auswirkt. So entstand das Konzept und die Geschichte hinter anOrdain, das die Marke so besonders macht.

Der Vertrieb und das Marketing der Brand funktionieren digital. Über Social-Media-Kanäle, wie Instagram oder die Internetseite macht die Marke Konsumenten auf ihr Produkt aufmerksam. Mit einer Followerschaft von über zehntausend Menschen bei Instagram schafft die kleine Marke es, den Umsatz zu steigern und mit anschaulichen Fotos und einem klaren Designkonzept weiter zu wachsen.

Die fünf wichtigsten Merkmale des Erfolgs von Microbrands
  1. Smarte Finanzierungsmodelle, wie z.B. durch Kickstarter, Crowdfunding und Co.
  2. Geringe Vertriebskosten durch Direktvertrieb über Internetseiten ohne Zwischenhändler: Der Vertrieb wurde modernisiert – so wird nicht mehr über Zwischenhändler versendet, stattdessen wird das Produkt direkt an die Kunden geliefert. Das spart nicht nur Kosten, sondern ermöglicht eine bessere Kontrolle über die Ablaufketten. Vor allem eigene Homepages oder der Vertrieb im Einzelhandel werden dafür genutzt.
  3. Innovatives digitales Marketing: Social-Media, Homepage und Influencer-Marketing sind die Stichwörter der Microbrands: Die Marketingstrategien sind innovativ und werden auf einer Vielzahl von Kanälen platziert. Dafür werden die Werbeclips an das jeweilige Format angepasst und so können Instagram, Snapchat und Facebook, aber auch Twitter und YouTube mit den richtigen Videos gefüttert werden.
  4. Ansprechendes Design und eine Geschichte hinter der Marke machen die kleinen Unternehmen sympathisch.
  5. Limitierte Auflagen sorgen für Prestige und reizen die Kaufkraft an.