Cross- und Multimedia statt Textwüste: Wie Scrollytelling zum Weiterlesen anregt

Zielgruppe besser erreichen und Erinnerungswerte schaffen. Hier erhalten Sie Tipps für gutes Story- und Scrollytelling.
Was Story- und Scrollytelling ausmacht und welche Unterschiede es zwischen ihnen gibt, haben wir in einem der vergangenen Artikel aufgegriffen. Anhand eines Beispiels wird nun aufgezeigt, wie diese beiden Darstellungsformen im Idealfall auf den Rezipienten wirken - und funktionieren können.

Die Zeiten, in denen die Onlineleser und -kunden sich mit starren Textwüsten konfrontiert sahen, sollten inzwischen der Vergangenheit angehören. Mit wenigen Ausnahmen tun sie dies auch. Unternehmen und Webseiteninhaber haben verstanden, wie sie die Aufmerksamkeit ihrer Rezipienten mittels Story- und Scrollytelling (Link zu Teil 1 setzen) auf sich ziehen können. Ein beliebtes Feld, Scrollytelling anzuwenden, ist die eigene Unternehmensgeschichte.

Die neuen multimedialen Features ermöglichen den Betreibern von Seiten zudem, Geschichten und Produkte aus einer anderen Perspektive aufzugreifen und zu verpacken. Die Süddeutsche Zeitung zum Beispiel hat sich dem Thema Mobile Payment gewidmet. Im Auftrag und mit Unterstützung der Deutschen Bank X-Markets hat sie ein Advertorial geschaltet und sich dabei der Form des Scrollytelling bedient.

Multimedia neu gedacht

Der rote Faden des Beitrags ist ein Interview mit Jessica Claar, die bei Mastercard das Marketing verantwortet. Zwischendurch sind Blöcke eingearbeitet, in denen etwa erklärt wird, was Mobile Payment ist und wie die Situation in Deutschland aussieht. Im Vordergrund steht die Vermittlung von Sachinformationen zum Thema. Zum Schluss jedoch wird für die Produkte der Deutschen Bank geworben, da es sich bei dem Beitrag ja schließlich auch um ein Advertorial handelt.

 

Süddeutschen Zeitung – „Mobile Payment“

 

Trotz der offensichtlich beabsichtigten Werbeeffekts ist ein Wesensmerkmal von Scrollytelling die Darstellung und Vermittlung von seriösen und belastbaren Informationen an die Leserinnen und Leser. Dabei wechseln sich in unserem Beispiel das Interview mit einer Expertin und die einzelnen Informationscontainer sinnvoll ab. Letztere beinhalten Grafiken und Animationen. Sie unterstützen die Informationsvermittlung nicht nur, sondern tragen auch zur Emotionalisierung der Leserschaft bei. Eines der wichtigsten Ziele beim Einsatz von Story- und Scrollytelling ist es, durch das Auslösen von Emotionen Markenwahrnehmung und Markenerlebnis auf ein neues Niveau zu heben. Das gelingt der Süddeutschen Zeitung im aufgezeigten Beispiel ganz gut.

Tipps für gutes Story- und Scrollytelling

Die Gestaltung ist übersichtlich und regt zum Weiterscrollen an. Entscheidend ist, dass nicht alle technischen und multimedialen Möglichkeiten innerhalb eines Beitrags eingesetzt und damit verprasst werden. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen Mittel der angestrebten Wirkung entsprechend einzusetzen. Statt den Bildschirm des Betrachters mit allerlei Multimedia-Effekten zu überladen, geht es darum, den Inhalt schlank, informativ und unterhaltsam darzustellen und zu transportieren.

Erinnerungswerte schaffen

Im Mittelpunkt einer jeden Story sollen nach Möglichkeit Emotionen stehen, welche den Leser in den Bann ziehen und einen hohen Erinnerungswert haben. In Kombination mit Scrollytelling kommt die Vermittlung von seriösen und belastbaren Informationen hinzu. Der Verweis auf Studien oder ein Interview mit einem ausgewiesenen Experten unterstützen die Glaubwürdigkeit eines solchen Beitrags. Multimedia ermöglicht es dem Leser zudem, sich noch tiefer und eingehender mit Themen oder Geschichten zu befassen.

Je höher der Unterhaltungs- und Mehrwert ist, umso länger ist die Verweildauer und umso größer auch die Chance, dass Inhalte geteilt und weiterempfohlen werden. Das hat übrigens auch einen positiven Einfluss auf das Google-Ranking, denn Google bewertet Seiten, auf denen die Verweildauer hoch ist und auf denen es viele Interaktionen gibt, besser. Storytelling und Scrollytelling schließen sich nicht aus, wie dieser Beitrag demonstriert. Durch das Scrollytelling wird die Story auf ein neues Niveau gehievt, auf dem nicht nur Emotionen mobilisiert, sondern auch Glaubwürdigkeit durch belastbare Sachinformationen vermittelt wird.

In sechs Schritten zum guten Story- und Scrollytelling
1. Sie haben etwas zu erzählen? Dann überlegen Sie sich, welcher multimedialen Mittel Sie sich abgesehen von Text bedienen können.
2. Achten Sie darauf, dass sie zum Inhalt passen. Weniger ist dabei oft mehr, überfrachten Sie den Beitrag nicht. 
3. Denken Sie in Bildschirmen und und gestalten sie den Inhalt übersichtlich in Informationscontainern, in denen die medialen Mittel wohldosiert eingesetzt werden.
4. Denken Sie daran, das Auge liest mit. Regen Sie Ihre Leser zum Weiterscrollen
5. Strukturieren Sie das Erzählte so, dass sich die einzelnen Teile ergänzen, mehr noch eine Dramaturgie erzeugen, die mit wachsenden Informationsnutzen

6. So wecken Sie im Idealfall nicht nur Emotionen und schaffen Erinnerungswerte, sondern vermitteln auch Glaubwürdigkeit und überzeugen mit Kompetenz.